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Interview mit einem Klienten

Andreas erzählt von seinen Erfahrungen mit way konzeptbestattung


Verständlicherweise sind Wenige bereit, nach einem Trauerfall auf Fragen zum Geschehenen zu antworten, vor allem wenn das Gesagte dann auch noch veröffentlicht werden soll. Andreas sagte sofort ‚Ja!‘, was uns mit großer Dankbarkeit erfüllt.


Der 42-jährige Sportlehrer wohnt mit seiner Familie in Meerbusch bei Düsseldorf und bezeichnet sich selbst als Atheist.

Im Januar 2021, kurz nach Sylvester trifft der plötzliche Tod des Vaters den bodenständigen Mann ganz unerwartet. Zunächst hilflos und unvorbereitet, landet er eher per Zufall, wenn es denn welche gibt, bei uns. Und dies ist die Geschichte, was ab da geschah.


Andreas, ein großer Mann mit kleiner Goldrand-Brille und freundlicher Ausstrahlung sitzt gefasst vor mir, vertrauensvoll. Ich wage mich gleich mit einer Glaubensfrage ins Gespräch:


Andreas, glaubst du an Reinkarnation?


„Nein! Ich bin Atheist. Ich glaube nicht an Religionen, ich glaube, dass der Tod ein endliches Ereignis ist und dass danach nichts ist. Ähnlich wie es mit einer Wiese ist, auf der die Gräser nach dem Herbst vergehen. Im Frühling wachsen dann Millionen neuer Gräser nach. Für mich ist der Tod sowas wie Abends einschlafen, mit dem Unterschied, dass wir einfach nicht mehr aufwachen. Glücklicherweise merken wir das nicht mehr, darum empfinde ich den Tod auch nicht als etwas schlimmes oder beängstigendes. Wir sterben ja eigentlich jeden Abend.“


Im Netz finden sich interessante Definition von Atheismus, teil provokant, teils zum Schmunzeln und eine bringt es wohl am klarsten auf den Punkt:

‚Atheismus bedeutet einfach, nicht davon auszugehen, es gäbe einen Gott.‘


Du bist Klient von way konzeptbestattung und hast den letzten Abschied deines Vaters in deren Hände gegeben. Erzähl mal, wie es dazu kam.


„Relativ plötzlich starb mein Vater und ich hatte keine Ahnung was zu tun ist.

Im Krankenhaus wurde ich vom Personal nach dem Bestatter gefragt.

Dazu hatte ich mir nie Gedanken gemacht. Ich habe mich da aber an eine Bekannte erinnert, die erst kürzlich bei einem Abendessen von sogenannten Konzeptbestattungen redete. Die habe ich gleich angerufen und sie gab mir die Telefonnummer von way. Dort hatte ich gleich jemanden am Telefon und die* haben sich eigentlich ab da um alles Weitere gekümmert.“


War es also Zufall, dass du bei way gelandet bist?


„Naja, im Krankenhaus wurden mir schon einige Bestatter genannt. Meine Frau und ich haben uns, wie gesagt gleich an den Abend mit den Freunden erinnert, an dem geradezu begeistert über Konzeptbestattungen gesprochen wurde. So sind wir dann bei way gelandet. Keine Ahnung, ob das jetzt Zufall war.“


Andreas rückt mit einem tiefen Seufzer seine Brille zurecht und sein Blick schweift in die Ferne, als er leise hinzufügt:

„Das ging alles plötzlich so schnell. Ich brauchte ja auch erstmal Zeit, das zu verarbeiten.“ Dann fährt er fort: „Und bei way habe ich mich gleich gut aufgehoben gefühlt. Es kam sofort jemand zu uns und wir haben uns ganz in Ruhe unterhalten, um gemeinsam herauszufinden, was denn so unsere Wünsche sind und was wir eigentlich machen möchten, ja, welche Optionen es da überhaupt gibt.“


Da ist also jemand von way zu euch nach Hause gekommen?


„Ja genau. Wir wurden über rechtliche Dinge informiert und welche Formalitäten anstehen. Die wurden mir zu meiner Erleichterung komplett abgenommen.

In erster Linie ging es dann darum, was wir uns hinsichtlich des Abschieds und der Bestattung wünschen. Wir haben da schnell ein sehr persönliches Gespräch geführt.“, Andreas schaut auf, scheinbar erstaunt über sich selbst. “Ja, ich hatte gleich Vertrauen! Die wollten wissen, wer mein Vater war, was ihn ausgemacht hat, wie wir ihn empfunden haben und natürlich waren dann auch die ersten Fragen, ob er ein religiöser Mensch war und selbst Wünsche hinsichtlich der Bestattung hatte. So haben wir uns dann langsam dem letztendlichen Bestattungsweg genähert. Das fand ich beruhigend und schön, und das Ergebnis haben wir dann so umgesetzt.“


Wie war es plötzlich so private, intime Angelegenheiten mit einem Fremden zu teilen?


Andreas lacht auf und fährt achselzuckend fort: „Komischerweise war das gleich sehr vertraut, weil ich nicht den Eindruck hatte, das mir hier jemand irgendwas verkaufen will, sondern dass man sich sehr für uns und die Persönlichkeit meines Vaters interessierte. Mit Markus war es wirklich von Anfang an super vertraut und auch über den weiteren Prozess wurde die Beziehung näher. Später hat er ja dann den Redner mitgebracht. Hans-Peter hieß er, der später unsere Zeremonie moderiert hat.“


Und? Hatte dein Vater denn Wünsche hinsichtlich seines letzten Weges?


„Der war auch nicht wirklich religiös. Am Rande haben wir mal über den Tod gesprochen, aber wir sind da nicht detailliert ins Thema gegangen. Er hat sich nie konkret geäußert, von wegen: ‚Ich will eine Seebestattung haben!‘ oder sowas. Wir haben uns eher darüber unterhalten, was mit gewissen Nachlass-Sachen passieren soll.“


Das Kostbarste: Zeit für den persönlichen Abschied


Möchtest du uns was über deinen persönlichen Abschied und die Zeremonie erzählen?


Vom Krankenhaus wurde uns einfach mitgeteilt: “Jo, der ist tot!“ und mir wurde der ärztliche Befund gegeben. Der Körper meines Vaters lag schon nicht mehr im Krankenzimmer. Schrecklich!“ Ja, schrecklich und unmenschlich.

„way hat alle Formalitäten erledigt, ihn abgeholt und mir ermöglicht, ihn nochmal alleine zu sehen. Ich habe da mindestens eine Stunde mit ihm in den Räumlichkeiten von way verbracht. Nur mein Vater und ich. Das war für mich persönlich schon sehr wichtig!“


Wenn Menschen sich angesichts ihrer Trauer öffnen und Tränen fließen dürfen, geschieht Heilung im Trauerprozess. Andreas ist nicht der Typ für große Emotionen und dennoch steht ihm die Dankbarkeit über den persönlichen Abschied, der ihm da ermöglicht wurde, sichtlich ins Gesicht geschrieben.


Wie ging es danach weiter?


„Also, die Philosophie von way, das habe ich dann auch gelernt, unterscheidet sich ja von der normaler Bestatter. Die sagen sowas wie ‚der dankbare und zuversichtliche Abschied steht bei uns im Mittelpunkt‘, weil das ein Ritual ist, das einem als Hinterbliebenen ein bisschen hilft mit der Trauer umzugehen. Und das stimmte in unserem Fall auch!“


Andreas ringt nach den richtigen Worten, während sich in seinem Kopf sichtlich die Erinnerungen an das Geschehene abspielen und die Emotionen ihn zu überwältigen scheinen. Dann fasst er sich schließlich wieder und sagt leise, mit fester Stimme: „Wir hatten mit der ganzen Familie und Freunden einen sehr schönen Abschied. Und jetzt, so im Nachblick, wo die Trauer zwar immer noch da ist und kommt und geht, ist das OK, weil ich und auch meine Familie die Möglichkeit hatten einen guten, einen schönen, ja einen zuversichtlichen Abschied nehmen zu können.“


Möchtest du uns ein bisschen darüber erzählen?


„Die Abschiedszeremonie wurde von way nach dem, was bei den Gesprächen herauskam und in Absprache mit uns durchgeführt. Wie gesagt, weder mein Vater noch ich waren und sind gläubig, ich mag keine Kapellen, ich mag keine Friedhöfe. Wir haben das dann in den Räumlichkeiten von way gefeiert, bzw. zelebriert. Es gab Live-Musik, mit einer super Sängerin, Musik die mein Vater mochte, wurde gespielt.“


Du und deine Familie habt nicht so einen religiösen Bezug. Gab es überhaupt einen Pfarrer bei der Zeremonie?


„Markus hat uns das angeboten. Wenn wir gewollt hätten, hätten die natürlich auch einen religiösen Vertreter besorgt. Die Rede hat ja Hans-Peter, auch einer von way gehalten. Alles was wir mit Markus in den intensiven Gesprächen besprochen hatten, wurde in den Text gepackt und nochmal mit uns abgesprochen. Die haben sich wirklich sehr intensiv mit dem Leben meines Vaters auseinander gesetzt. Das erste Gespräch allein hat schon drei Stunden gedauert. Und das war auch nötig. Vielleicht ist auch deshalb soviel Vertrauen entstanden.“

Andreas erzählt inbrünstig und geradezu freudvoll von den intensiven Terminen, bis am Ende die perfekte Rede geschrieben und die Zeremonie bis ins Detail geplant war:


„Wir haben dann die Rede während der Zeremonie auch gar nicht als Monolog empfunden. Es war in drei Parts aufgeteilt, dazwischen Musikeinlagen mit der tollen Sängerin, die auch den Lieblings-Song meines Vaters interpretiert hat. Wir hatten noch so eine gute Jazz-Sache, die auch zwischendurch gespielt wurde und die mein Vater immer sehr gerne gehört hat. Eingerahmt war das Ganze von den Ausführungen des Moderators und das hat der richtig gut gemacht.“


Und hast du als Sohn, bzw. andere Angehörige die Möglichkeit gehabt, auch etwas zu sagen?


„Ja klar, genau: Es war dann so, dass ein Dialog zustande kam, also jeder der mochte, konnte eine Anekdote, eine Erinnerung oder sonst was teilen. Und da haben wir tatsächlich noch so drei bis vier mehr oder weniger spontane Beiträge gehabt. Und das war schon anders, als man es so kennt … Dazu hatten wir ein richtig gutes Menu - es gab Steak, das Lieblingsessen meines Vaters - das wurde uns von einem Koch vor unseren Augen zubereitet.“


Hattet ihr denn überhaupt Hunger?


„Ja, wir haben uns auch gewundert. Das Trauern, die Aufregung und überhaupt die ganze ungewohnte Situation hat uns scheinbar viel Energie gekostet. Und irgendwie haben wir alle das wirklich gute Essen dann auch genießen können. Die sind ja auch darauf spezialisiert, auf Wunsch Essen vom Feinsten aufzufahren. Wir haben uns beim Planen für diesen Live-Koch entschieden. Sogar mein Sohn, der sich momentan als Vegetarier versucht, hat das gute Fleisch gelobt.“


Wie war denn dein Vater und sein Andenken während der Zeremonie präsent?


„Der Sarg mit dem Körper meines Vaters war aufgebahrt. Der hatte übrigens seinen geliebten Automechaniker-Blaumann an. Wer nicht wollte, musste ihn nicht mehr sehen und dennoch hatte jeder die Möglichkeit, nochmal zu meinem Vater zu gehen, also zu seinem Körper, um sich zu verabschieden. Die Kinder haben ihm Briefe geschrieben und von uns in den Sarg legen lassen, ein paar Freunde haben von außen Abschiedsworte auf den Sarg geschrieben. Das alles war schon sehr stimmig und rund.

Damals, beim ersten Gespräch mit Markus war ich ja ganz perplex und wusste gar nicht, was ich im Detail will. Eher wusste ich, was ich nicht will und ich muss sagen, das haben die super gemacht! Es hat meine nicht gerade großen Vorstellungen und Ideen weit übertroffen. Alle Beteiligten waren begeistert, also, wie man halt bei einer Beerdigung begeistert sein kann.“

Andreas erschrickt sich fast vor seiner eigenen Euphorie, lacht beinahe entschuldigend und fügt hinzu: „Das alles war eine sehr intensive Erfahrung und ich bin froh, dass ich da per Zufall an way gekommen bin. Ich war ja in meinem Leben schon auf ein paar Beerdigungen und ich fand die immer eher schlimm. Bedrückend.“


Lag das vielleicht daran, dass du dich mit den Verstorbenen nicht so verbunden gefühlt hast?


„Das lag hauptsächlich an diesen Ritualen, denen ich nicht folgen kann. Ich mochte die Atmosphäre nicht, ich mochte nicht, was die meisten Pastoren oder sonst wer da vorne geredet haben und ich mochte auch den Ablauf nicht. Das ist mir alles zu... einengend gewesen. Und irgendwie unpersönlich. Ich war immer schnell wieder weg und hatte keine guten Assoziationen mit Beerdigungen. Natürlich ist es etwas anderes, jetzt wo ich selbst direkt betroffen bin. Und dennoch: Nach der Abschiedszeremonie meines Vaters gab es einige Rückmeldungen von Freunden. Einer sagte: „Mensch, man traut sich das ja kaum zu sagen, aber es war echt schön!“. Über so ein Feedback habe ich mich schon gefreut.“


Wie ist nach der Zeremonie weitergegangen?


„Die Zeremonie hat ungefähr zwei bis drei Stunden gedauert und anschließend wurde der Leichnam mit so einem schicken Ami-Schlitten zum Krematorium gefahren.“ Andreas lächelt verschmitzt: „… Das hätte meinem Vater richtig gut gefallen … Nach dem Einäschern, eine Woche später, haben wir ihn dann im kleinen Kreis unter einem Baum auf dem Waldfriedhof bestattet. ‚Sein‘ Baum trägt eine Plakette und steht auf einem Hügel. Es ist schön, zu wissen, dass dort die sterblichen Überreste liegen und vielleicht auch das Karma, wer weiß. Jedenfalls hat der Ort hat eine ganz tolle Atmosphäre und wir gehen gerne dort hin.“

Andreas lacht auf bei dem Gedanken, dass da vielleicht doch mehr als nur Materie sein könnte: „Na, und die Grabpflege übernimmt die Natur! Das ist das Beste. Ich habs nicht so mit Blümchen.“, fügt er noch lachend hinzu.


Das alles ist ja jetzt erst vor wenigen Wochen geschehen. Was hilft dir den Abschiedsschmerz zu verarbeiten?


„Der erste Moment war natürlich sehr schockgeprägt, nach einer Weile kam ein Prozess in Gang. Es gab verschiedene Phasen, Höhen und Tiefen, die gibt es noch. Jeder Abschnitt war für die Verarbeitung wichtig und ich glaube, dass die Möglichkeit dieses schönen Abschieds die Sache wesentlich einfacher gemacht hat. Natürlich denke ich oft an meinen Vater. Mit einem Lächeln, wenn ich dann an die Abschiedszeremonie denke, auch weil ich glaube, dass er das genau so, wie es war super gefunden hätte. Er konnte in Frieden gehen, wir konnten uns in Frieden verabschieden. Und jetzt in dieser Dankbarkeit und Zuversichtlichkeit unser Leben in Frieden und mit guten Erinnerungen weiter führen.


Gibt es noch etwas Besonderes, and das du dich erinnerst?


Andreas braucht nicht lange, seine Augen blitzen und ein Lächeln huscht über sein Gesicht: „Das Lachen! Ich erinnere mich an das Lachen der Gäste, als meine Frau von einem Erlebnis erzählte, dass sie mit Opa, so nannte sie ihn immer, hatte. Es ging irgendwie um Kochen und um den Eigensinn meines Vaters, der mit dem Eigensinn meiner Frau immer wieder in der Küche kollidierte. Egal, jedenfalls haben alle die meinen Vater kannten, ihn in dieser Geschichte sofort wiedererkannt und sich liebevoll schmunzelnd erinnert. Das war ein sehr berührender Moment. Und das Lachen hatte etwas sehr Tröstliches, war bei all der Trauer und dem Verlustgefühl kein bisschen fehl am Platz. Das wird mir auf jeden Fall immer in Erinnerung bleiben.“



* Anm. der Redaktion: Im O-Ton ist mit ‚Die' way konzeptbestattung im Allgemeinen, bzw. der persönliche way-Betreuer gemeint. In Andreas’ Fall war es Markus Leuwer, der den gesamten Prozess betreut hat.


Interview & Text: Nicole D. Bader


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